Sonntag, 17. Juni 2012
Dieses Wochenende (Freitag bis Sonntag) fand in Graz das transkulturelle Festival für alternative Blasmusik – Skappa ‘nabanda! statt.
Gestern um 14h startete vom Tummelplatz aus eine Parade, zu knalligen Brasshits und gewaltigen Trommelschlägen marschierten MusikerInnen, KünstlerInnen und GauklerInnen durch die Grazer Innenstadt. Von den vorangehenden Kombos angestimmte Lieder und Rhythmen wurden von den nachfolgenden übernommen und interpretiert, so konnte sich eine überwältigende Musikkulisse aufbauen, die die vielen Passanten und ZuseherInnen zum rhythmischen Mitschwingen bewegte. StelzengeherInnen und der seifenblasende Clown gaben dem Ganzen noch eine spezielle Art an Crazyness! Der geplante Weg führte die Parade durch die Schmiedgasse zum Hauptplatz, von wo es durch die Sackstraße und über den Mursteg zum Mariahilferplatz weiter gehen sollte. Doch nicht so schnell.
Am Hauptplatz fand nämlich zeitgleich eine Veranstaltung des Blasmusik-Ortsverbands Graz (oder so ähnlich halt, auch eine Web-Recherche konnte keine Aufschlüsse geben…) statt. Ehrwürdige, grantige Köpfe die aus Trachtenkostümen wuchsen, prallten mit einer verspielten, alternativen Blasmusikkombo zusammen, gerade als es zur Ehrenerweisung durch Vertreter der Politik kommen sollte. Ein Clash of Cultures deluxe!


„Wos soll’n des jetzt?“, „Is des überhaupt ongmeldet, wos ihr da macht’s?“ waren die ersten Wortmeldungen die mir zu Ohren kamen… Wie auf Kommando verfinsterten sich die ohnehin schon zwidernen Gesichter noch ein wenig mehr. Kommt da doch tatsächlich eine gaukelnde, zusammengewürfelte Blasmusikkombo des Wegs und stört die Veranstaltung der alteingesessenen KonservenbläserInnen.
Während die lachenden Gesichter der Paradisten ihre frische, lebendige Brassmusik in die Ohren der strammstehenden, auf Erlösung wartenden Altehrwürdigen bliesen und sich die feschen Dirndln der Skappas, verziert mit Spock-Ohren und I-love-Blasmusik-Schildern unter die Kapelle mischten, gelang es dem Oberkonservisten tatsächlich der Skappa ‘nabanda Truppe Einhalt zu gebieten. Endlich konnte nun der Feistritzer Landler zum Besten gegeben werden, ein Tanzspektakel das weiterhin mit versteinerter Miene absolviert wurde – Lachen nicht erlaubt?
Nichtsdestotrotz wurden die Protagonisten des „Gran(t)dlers“ von der bunten Paradetruppe mit großem Beifall gefeiert – eine Offenheit anderem gegenüber, wie es bei Konserven nun mal nicht möglich scheint, könnte das Konservierte bei Öffnung doch gar verderben. Leitet sich das Wort „konservieren“ nicht von konservativ ab, fragte sich einst schon Gerhard Polt… anscheinend ja. Da zu Lustigem auch Trauriges gehört, muss man sich wohl damit abfinden, dass die traditionelle Blasmusik und ihre Anhänger keinen Finger breit von ihren verstaubten, eingemeißelten Traditionen abgehen können und jegliche Annäherung durch alternative KünstlerInnen anderen Ursprungs nicht mit einem Lächeln sondern nur mit einem Grantscherb’n-Gfries abtun können. Auch die schnell improvisierten Politikerreden – „…es ist ja toll, wenn sich verschiedene Kulturen treffen…“ – konnte nichts daran ändern, dass sich die Eingeborenen von den Zuagrasten bedroht fühlten.
Ganz im ewigen Sinne Österreichs – So weit hinten, dass schon fast wieder vorn ist!
Hier ein kurzer, filmischer Einblick in den Clash of Cultures...
Die Parade zog schließlich weiter und ließ den heissen Nachmittag mit schwungvollen Grooves am Mariahilferplatz ausklingen. Ab 18:00 Uhr wurde im Volkshaus (Lagergasse) zum großen Konzert geladen. Leider konnte ich dieses nicht besuchen, doch eines ist klar: derartige Veranstaltungen sollte es monatlich geben!
Alle Fotos zum transkulturellen Blasmusik Festival gibt’s in meinem Flickr-Album – ENJOY!
Da gerade wenn's um Musik geht, die Fotografie nicht unmittelbar das geeignetste Medium darstellt, gibts hier auch noch einen kleinen Film über die Parade...
Mehr Informationen zum Skappa ‘nabanda Festival findet ihr unter – http://skappanabanda.org/index.php/de/
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