Freitag, 3. Juni 2011
Endlich ist es soweit, die erste Buchempfehlung ist online! Mit Die Orangen des Präsidenten möchte ich den Anfang machen... und habt bitte Nachsicht mit meinen Skills in punkto Bücher rezensieren, wie gesagt ich mache hiermit den Anfang ;-]



zum Inhalt:

Nasrija, Irak, 1989: Am Tag der letzten Abiturprüfung wird Mahdi zu einem Ausflug eingeladen. Sein Klassenkamerad Ali hat sich ein Auto ausgeliehen, und die beiden wollen das Ende der Schulzeit feiern. Doch es ist das falsche Auto, und Ali kennt die falschen Leute die beiden werden ohne Anklage und Prozess inhaftiert. Mahdi stehen zwei Jahre Gefängnisalltag bevor, Hunger, Folter, Grausamkeiten, Zynismus: Zum Geburtstag Saddam Husseins wird den Häftlingen eine Amnestie in Aussicht gestellt doch dann bekommt jeder nur eine Orange als Geschenk. Mahdi rettet sich in dieser Hölle durch seine Begabung zum Geschichtenerzählen. Drastisch, tragikomisch und ergreifend berichtet er Episoden aus seiner Kindheit und Jugend, besonders von der Freundschaft mit dem Taubenzüchter Sami und dem Geschichtslehrer und Literaturübersetzer Razaq. Der Roman lässt ein eindrucksvolles Bild des Irak der achtziger und neunziger Jahre entstehen. Nach seinem fulminanten, viel beachteten Debüt legt Abbas Khider hier seinen zweiten Roman vor.
(Quelle: www.abbaskhider.com)

Abbas Khider schildert die Haft und die damit verbundenen Demütigungen in einer einzigartigen Kombination mit den Erinnerungen seiner Kindheit. Auf eine tragisch-komische Art und Weise erzählt er von den Misshandlungen im Gefängnis und dem Leben der Taubenzüchter, nahezu in einem Atemzug. Somit bringen einen die Jugendgeschichten zum Lachen, wobei einem das Lachen im Handumdrehen oder im Seitenumblättern gefriert, wenn er die Trost- und Hoffnungslosigkeit der Internierung in Saddams Gefängnissen beschreibt. Wie schrecklich muss es sein, wenn man ohne erkennbaren Grund und ohne jeglichen Zeithorizont von einem Tag auf den anderen weggesperrt wird?

Durch ein Gespräch mit Roberts Mutter wurde ich auf die Parallelen zu Imre Kertezs „Roman eines Schicksallosen“ gebracht, da beide ihre Geschichten aus den Augen von Kindern/Jugendlichen erzählen und dadurch eine gewisse Leichtigkeit in das Erzählte bringen, da das Nichterkennen der gesamten Tragweite und das Unverständnis der gesamten Situation es einem leichter machen, die Dinge aufzunehmen und zu verarbeiten.

Ein sehr gutes Buch, das ich jedem empfehlen möchte! Es behandelt neben dem politischen Aspekt auch den Menschen an sich, in dem vieles von der Lebensfreude Mahdis übermittelt wird, trotz des totalitären Regimes in dem er sich zurecht finden muss. Vielleicht öffnet es einem auch die Augen, warum Menschen immer wieder ihre Heimat verlassen, um woanders ein besseres, friedlicheres und vor allem befreiteres Leben führen zu können.

zum Autor:
Abbas Khider wurde 1973 in Bagdad geboren. Er wurde schon mit 19 Jahren wegen seiner politischen Aktivitäten verhaftet. Nach seiner Entlassung floh er 1996 aus dem Irak und hielt sich als „illegaler“ Flüchtling in verschiedenen Ländern auf. Seit 2000 lebt er in Deutschland und studierte Literatur und Philosophie in München und Potsdam. Er veröffentlichte bisher Lyrik in verschiedenen Publikationen. Sein erster Roman „Der falsche Inder“ erschien 2008. Seit 2010 ist er Mitglied des PEN. Sein zweiter Roman "Die Orangen des Präsideten" erschien 2011. Zurzeit lebt Abbas Khider in Berlin.
(Quelle: www.abbaskhider.com)

Presseberichte:
http://dastandard.at/1304553259869/In-Saddam-Husseins-Kerker-Die-Orangen-des-Praesidenten
http://www.zeit.de/2011/19/L-B-Khider

In der nächsten Buchempfehlung werde ich nochmal bei diesem Thema bleiben… Der nächste Roman stammt aus Lybien und wird aus dem Blickwinkel eines Neunjährigen erzählt. Obwohl die Geschichte eine andere ist, ergeben sich wieder Parallelen, da das Gefühl der Ohnmacht alle diese Erzählungen begleitet…

1 Kommentare:

Beatrix Alfs hat gesagt…

Auch ich kann dieses Buch nur wärmstens empfehlen und hoffe ebenfalls, dass es vielen Menschen die Augen öffnen kann!

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