Freitag, 18. März 2011


heute war ein wirklich aufregender tag und ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll… naja, vielleicht am besten am beginn ;-]
alltägliches vormittags-chillout am balkon, zur weiteren verstärkung der bräunung, die inzwischen aus der rötung entstanden ist, sowie lektüre meines zweiten buchs das ich mit habe – heinz strunk in afrika.

gegen halb 2 haben wir uns dann mit ahmed getroffen, einem mitglied der muslimbruderschaft, den robert schon vor einigen wochen am tahrir sq kennengelernt hat. wir hatten uns entschlossen, das interview in der rooftopbar des king hotels zu machen, da man von dort einen schönen blick auf die umliegenden dächer und die hochhäuser dahinter hat. während der kalten jahreszeit wird dort die terasse allerdings mit plastikplanen abgehängt, damit es nicht so windig ist und leider waren die plastikplanen noch immer dort.
robert hat dann vorgeschlagen ins novotel zu fahren, da wir dort auch gleich was essen könnten. also zuerst mal hinsetzen, was trinken und essen und dann einfach mit dem interview anfangen. mehr, als dass uns die security wieder am filmen hindern wird, würde wohl kaum passieren. gesagt, getan. wir haben gute sandwiches gegessen und ice tea getrunken, diesmal waren mehrere gäste in der rooftopbar und alles war recht gemütlich, es war auch kein security personal vor ort.
ich hab mich dann entschlossen einfach mal die skyline aufzunehmen, zu diesem zeitpunkt war nicht mal ein kellner anwesend. wir haben uns sicher zehn minuten mit aufnahmen von cairo beschäftigt und dann das interview angefangen. ahmed stand hierfür am geländer und ich konnte eine wirklich gute einstellung mit skyline, nil und brücke im hintergrund machen. wir hatten schon einige fragen im kasten, als dann doch plötzlich (also zumindest für mich, da ich ja voll auf die aufnahme konzentriert war) die security da war und gleich mit ahmed zu diskutieren begonnen hat… ein wenig ungut war die tatsache, dass es wieder der gleiche typ wie vor ein paar tagen war, der sich an mich erinnern konnte und sich nicht gerade von seiner charmanten seite gezeigt hat. die diskussion geht also weiter, wir verstehen natürlich kein wort, ungute vibrations machten sich breit. robert fragte den security guy warum man hier nicht filmen dürfe und dieser gab wieder die gleiche anwort, die armee hätte dies veranlasst und dass er das band konfiszieren müsse. wir haben uns geweigert, worauf er uns drohte die armee zu holen – „okay, so get the army!“ war unsere antwort. in diesem moment waren wir uns recht sicher, dass uns nichts passieren konnte, was haben wir denn schon gemacht? ein paar aufnahmen von einem hotel runter, ohne dass man jemals gesehen hat um welches hotel es sich handelt. und hat die armee nicht weitaus wichtigere dinge zu tun in diesen tagen? daraufhin tschuppiert der security guy wieder ab, vielleicht um wirklich die armee zu holen?!
in den darauffolgenden minuten haben robert und ich in windeseile die richtigen entscheidungen getroffen. ich habe das band mit den aufnahmen gegen ein leeres ausgetauscht und auf anraten roberts, das richtige band zu meinen genitalien gesteckt (zum glück hatte ich mich morgens für pants und keine boxershorts entschieden ;-]]), und zwar genau zwei, drei sekunden bevor zwei andere security typen gekommen sind und uns gesagt haben, dass sie das band jetzt haben wollen. ich habe nun also das leere band aus der kamera genommen, die sicherheitsklappe die das magnetband schützt aufgeklappt und das band ca. einen meter herausgezogen, zerknüllt, einen knoten rein gemacht und dem einen der beiden in die hand gedrückt. robert hat sich weltmeisterlich bei mir aufgeregt, ich hätte das band nicht zerstören sollen – alles zur show! daraufhin mussten wir alle sachen aus den hosentaschen nehmen, uns abtasten und unsere rücksäcke kontrollieren lassen… alles was sie noch gefunden haben waren zwei leere bänder, die wir bereitwillig einlegten und abspielten, um deren gähnende leere zu beweisen ;-] dann hat sich der eine sec-guy entschuldigt, aber er müsse nunmal das band konfiszieren und so nen bullshit… er war gleich viel freundlicher, nachdem er ja der festen annahme war, das besagte material bereits zerstört in händen zu halten – und wie will er das von mir zerstörte band nun überprüfen? no chance, we definitely did a really great job up there!!!
somit blieb uns nichts weiter zu tun, als die rechnung zu begleichen und dieses nazihotel zu verlassen…
ahmed allerdings war während der ganzen aktion relativ nervös und hatte, glaube ich, wirklich angst wir könnten eingesperrt werden oder so… des weiteren hat er gehört, wie eine frau ihrem mann (an einem nebentisch) erzählt hat, dass sie gesehen hat, dass ich das band getauscht habe. er hatte angst, sie würde nun zur security-staff gehen und uns dort anschwärzen… nichts von alldem ist passiert und einige minuten später spazierte ich mit den beiden und einem unangenehmen zwicken im schritt durch die hotellobby zurück auf die straße…
wer den film salvador von oliver stone gesehen hat, weiß vielleicht wie ich mich gefühlt hatte – ein fotograf versteckt in diesem movie seinen foto-film im absatz seines stiefels…

nahe dem novotel gibt es einen kleinen park direkt am nil, in dem wir dann in aller ruhe das interview mit ahmed vervollständigen konnten. dort hat sich auch gerade eine non-profit-organisation getroffen, deren arbeit sich mit der förderungen des kulturellen austauschs in ägypten beschäftigt. mit einem mädel dieser gruppe konnten wir dann auch gleich noch ein kurzes interview machen. ahmed hat uns dann noch nach hause begleitet, mit zwischenstopp bei einem liquorstore, den er natürlich nicht betreten hat… haben noch ein wenig geplaudert und ein paar meiner fotos angesehen. danach hat er sich auf den heimweg gemacht, was auch uns sehr recht war, denn robert muss noch seine nächsten unterrichtseinheiten vorbereiten und ich brannte schon voll darauf die heutigen ereignisse für den blog abzutippen…

so what do you say? exciting day, huh?
war irgendwie echt wie im film die ganze szene… und jetzt im nachhinein freuen wir uns total, dass alles so gut geklappt hat und sind zugegebenermaßen auch ein wenig stolz auf unsere reaktion und unser schnelles, entschlossenes handeln…



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